„Manga-Mittwoch“ Ausgabe 2/13: Ikigami – Der Todesbote

Manga-Mittwoch

© Carlsen Manga
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Unterdrückung, Bevormundung, Todesbriefe – Das alles und noch mehr sind Themen des Manga „Ikigami – Der Todesbote“ von Motoro Mase. Der erstmals 2005 in Japan publizierte Mystery-Manga wird seit 2012 auch in Deutschland von Carlsen veröffentlicht.

Ikigami erinnert stark an Death Note. Auch wenn die Handlung eine andere ist, weißt sie mehrere Parallelen auf. In Ikigami hat die japanische Regierung ein „Gesetz für Fortschritt und Wohlstand“ erlassen. Doch was heißt das konkret? Bei der Einschulung von Kindern erhalten diese eine Impfung. 0,1% aller Spritzen enthalten eine tödliche Kapsel, die sich im Herzen des Betroffenen einnistet und ihn zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr, wenn die Lebenskraft ihren Höhepunkt erreicht hat, tötet. Allerdings weiß der Todeskandidat nicht, ob er eine der tödlichen Impfungen erhalten hat oder nicht. Er wird erst 24 Stunden vor seinem Tod über sein baldiges Ableben informiert. Solange man also nicht älter als 24 ist, muss man damit rechnen plötzlich sterben zu können. Diese ständige Angst vor dem Tod, soll den Verantwortlichen zufolge zu einem bewussterem Leben führen. Ähnlich verhält es sich in Death Note. Auch hier müssen die Menschen damit rechnen, plötzlich ein Opfer Kiras zu werden. Die Familien der Getöteten erhalten als Entschädigung eine Hinterbliebenenrente. Allerdings nur, falls der Todeskandidat keine Straftaten innerhalb der letzten 24 Stunden seines Lebens verübt. Wenn das der Fall sein sollte, erhält die Familie nicht nur keinen finanziellen Ausgleich, sondern muss die Betroffenen zudem noch für die Straftat entschädigen und gilt als gesellschaftlich geächtet.

Protagonist des Manga ist der Ikigami-Bote bzw. der Todesbote Fujimoto. Er ist Mitarbeiter im Gesundheitsministerium und hat die „ehrenvolle“ Aufgabe, den Todeskandidaten ihre Ikigami, ihre Sterbeurkunde zu überbringen. Das Besondere an ihm ist, dass er sich mit dem Leben der Betroffenen auseinandersetzt und das System hinterfragt. Seine Meinung äußert er allerdings nicht offen, da ihm sonst die Liquidierung droht. Da er also mit Sicherheit davon ausgehen kann, kein Todeskandidat zu sein, führt er ein sorgloses Leben.

Anders als in anderen Manga verwendet Motoro einen äußerst realistischen Zeichenstil, d.h. die handelnden Figuren haben ein sehr asiatisches Aussehen. Wenn man bedenkt, dass der Mangaka in Ikigami viele ernste Themen, wie staatliche Bevormundung und Unterdrückung sowie die Verletzung der Meinungsfreiheit anspricht, ist dieser Zeichenstil sogar am besten geeignet, um diese Themen zu transportieren. Motoro Mase gelingt es zudem durch die Gestaltung des Plots den Leser dazu zu zwingen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich so mit dieser ernsten Thematik auseinanderzusetzen. So verhält es sich auch in Death Note. Auch hier ist es quasi ausgeschlossen, dass sich der Leser keine eigene Meinung bildet und über seine Moralvorstellungen nachdenkt. Zusammengefasst bedeutet dies, dass Ikigami nicht nur die Meinungsunterdrückung anspricht, sondern noch einen Schritt weiter geht und somit aktiv zur freien Meinungsbildung beiträgt.

Fazit: Ikigami ist ein Manga mit sehr viel Tiefe und einer ernsten Thematik. Er fesselt den Leser von Beginn an durch seinen spannenden Handlungsverlauf und seine realistischen und detaillierten Zeichnungen. Wer also an mehr als nur kurzweiliger Unterhaltung interessiert ist, wird bei Ikigami fündig.

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